Dokker Ausbau

Das Boondokker – Konzept

Ich möchte euch kurz erzählen, warum wir den Dokker so und nicht anders ausbauen. Wir haben unzählige Videos auf youtube angeschaut, uns Anregungungen geholt und die eine oder andere Idee geklaut. Aber es war nichts dabei, was unsere Bedürfnisse zu einhundert Prozent befriedigt hätte. Das liegt vermutlich daran, dass wir andere Anforderungen haben. Los geht es damit, das wir nicht die Absicht haben, im Dokker zu wohnen. Wir wollen lediglich damit reisen und eine flexible und kostengünstige Übernachtungsmöglichkeit haben. Kochen (außer Kaffee) und backen im Dokker kommt für uns nicht in Frage. Die gesamte rückwärtige Fläche, die ohnehin schon nicht üppig ist, soll zum Schlafen dienen und falls nötig, eine Sitzgelegenheit für zwei Personen bieten. Eine kleine Waschgelegenheit soll auch gegeben sein.

Grundsätzlich soll der ganze Einbau minimalinvasiv und mit ein paar Handgriffen wieder entfernbar sein. Jedes Modul ist dazu mit zwei Schrauben an der Karosserie verankert, die beiden hinteren jeweils an der vorhandenen Befestigung für die Zurr – Ösen, die vordere mit Hilfe eines Aluminiumwinkels an der Stelle, wo sonst die Rückbank angeschraubt ist. Der Boden des Dokker (außer der Expressvariante) weist durch den Fußraum für die hinteren Passagiere einen Höhenunterschied von ca. 15 cm aus. Bei einer durchgehenden Bodenplatte entsteht so ein Hohlraum, wo oft kostbarer Platz verschwendet wird. Zwar kann man da Sachen mehr oder weniger hineinstopfen, aber eine Ideallösung ist das nicht. Zusätzlich wird durch das übliche Dreikisten-Ausbau-Prinzip der Einstieg an den Schiebetüren verkleinert und als ob das nicht reichen würde, eine Schiebetür mit einem hohen Kühlschrank zugebaut. Durch Betrachten dieser Ausbauvideos entstand die Suche nach anderen Lösungsmöglichkeiten. Ich bin leider kein Statiker und muß auf meinen hoffentlich gesunden Menschenverstand vertrauen, was die Materialien anbelangt. Schraubenlängen und Stärken sind durch das verwendete Aluprofil schon vorgegeben. Das ist der Grund, warum ich mich bei den Aluprofilen für den Typ 6B und nicht 5I entschieden habe, um an den noralgischen Punkten mit M6 anstelle von M5 verschrauben zu können. Beide Profile sind 20 x 20 mm. Vom I-Typ wären mindestens 30 x 30 erforderlich gewesen, um ohne große Nachbearbeitung M6 verwenden zu können.

Und so entstand in meinem Kopf nach und nach das Boondokker-Konzept. Es unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von dem, was bisher auf youtube zu sehen ist. Das geht los bei der Auswahl der Materialien. Dazu muss man wissen, dass so gut wie jede aus Spänen oder Fasern gepresste Platte Formaldehyd enthält. Lediglich die Menge ist unterschiedlich und bei Platten für den Möbelbau gelten gewisse Richtwerte. Man kann sich leicht ausmalen, dass je minderwertiger das Material und je größer die Menge davon in einem kleinen Raum wie dem Dacia Dokker verwendet wird, die Ausgasung ansteigt. Auf youtube gibt es Varianten mit OSB-Platten ebenso zu bewundern wie Ausbauten mit Phenolharz beschichteten Siebdruckplatten, ein Material vorwiegend für den Anhängerbau. Auch wenn der Flightcase-Look seine Reize hat, möchte ich nicht mein Haupt des nachts darauf zur Ruhe betten und mit einer Migräne aufwachen.

Das Prinzip der Boondokker – Module

Aber ganz ohne Holz geht es nicht. Ich habe lediglich die Menge auf das Nötigste reduziert, sowohl in der Dicke als auch in der Fläche. Eine durchgehende Bodenplatte als „Fundament“ gibt es beim Boondokker nicht, auch kein Rahmenholz. Statt dessen habe ich Module konstruiert, die im Ganzen eingebaut und wieder entnommen werden können. Die Modulrahmen bestehen wie schon erwähnt aus Aluprofilen vom Typ 6B. Die beiden hinteren Module haben jeweils eine Grundplatte aus 12mm Birke Multiplex und können jeweils drei Euroboxen der Maße 30 x 40 x 32 cm aufnehmen, eine Box ist ein designierter Wasserkanister mit 23 Litern Inhalt. Die Euroboxen sollen helfen, eine gewisse Ordnungsstruktur einhalten zu können und nicht alles in einer großen Rumpelkiste suchen zu müssen. Das vordere Modul dient im wesentlichen als Unterkonstruktion für die Liegefläche und bietet noch etwas Stauraum. Bleibt noch der Mittelgang zwischen den beiden hinteren Modulen. Hier finden ein Kompressorkühlschrank und eine Eurobox von 40 x 30 x 18,5 mit Deckel Platz. Darüber befinden sich zur Vervollständigung der Schlaffläche lose Platten, ebenfalls aus 12 mm Multiplex, die beide noch als Tischplatten Verwendung finden können.

Natürlich muss man Kompromisse eingehen. Ein Dacia Dokker ist kein Wohnmobil oder Transporter. Bei der Sitzhöhe muss man sich überlegen, ob man lieber den Kopf etwas neigt oder mehr hockt als sitzt. Aber wie schon gesagt, hinten im Dokker zu verweilen soll in erster Linie dem Schlafen vorenthalten und alles andere die Ausnahme bleiben. Auf eine Küchenzeile mit Spüle haben wir zugunsten der Liegefläche verzichtet. Allerdings wird eine Wasserpumpe mit flexiblem Schlauch eingebaut, um bequem Wasser entnehmen zu können, wobei der mitgeführte Wasservorrat im Tank nur zum Waschen, Zähneputzen und Geschirr abwaschen dient. Für Kaffee etc. greifen wir auf Wasser in Flaschen zurück. Das Schmutzwasser wird an Ort und Stelle entsorgt, von daher gibt es keinen Abwasserkanister. Selbstverständlich verwenden wir nur ökologisch unbedenkliche Waschmittel.

Kommen wir zum Thema Elektrik. Ich habe als Kommunikationselektroniker eine große Affinität zu Schaltern und bunten, blinkenden Kontrollleuchten und -anzeigen. Auch die meisten Youtube-Videos über Minicamper-Ausbau zeigen eine verschwenderische Fülle davon. Ich habe bei der ersten groben Planung auch eher geklotzt als gekleckert. Aber es wird rudimentär. Sorry, amazon. Aber die Wunschliste ist einer Streichorgie zum Opfer gefallen. Der Boondokker wird eine Bordbatterie bekommen, so viel steht fest. Allein wegen dem Kühlschrank. Er wird auch wegen dem Euro 6 – Management einen Ladebooster erhalten, um die erforderliche Nachladung sicherzustellen. Eine Pumpe für den Wassertank, ein Sicherungsblock, zusätzliche USB- und 12V- Anschlüsse und das war es auch schon. Das Ganze wird als steckbares Elektromodul konzipiert. Ich habe mich für eine AGM – Batterie entschieden. Drei Wochen Urlaub im Jahr plus ein paar Ausflüge rechtfertigen für mich nicht die Anschaffung einer fünf Mal so teuren Lithium-Eisenphosphat-Batterie. Ich brauche weder eine App, um mich mit der Batterie zu unterhalten oder eine Digitalanzeige mit Prozentrechnung. Ich habe noch eine alte autool X50 OBDII – Anzeige im Keller gefunden und angeschlossen. Da lese ich während der Fahrt die Ladespannung ab. Im Stand reicht für die Bordbatterie eine Spannungsanzeige für ein paar Euro. Ich habe mir den Kopf zermartert, wofür ich 220 Volt im Auto gebrauchen könnte. Außer das sich meine Frau die Haare fönen kann, ist mir nichts eingefallen. Das ein ausgewachsener Fön die Bordbatterie in Nullkommanix leersaugen kann ist klar. Nehmen wir zum Beispiel einen handelsüblichen Fön mit einer Leistungsaufnahme von 2000 Watt. Macht bei 220 Volt einen Strom von ca. 9 Ampere. Bei 12 Volt sind das schon 167 Ampere, die von der Batterie zum Konverter fließen würden. Dazu braucht es daumendicke Kabel, um die Karre nicht abzufackeln.

Letztendlich werde ich noch eine Anschlussmöglichkeit für ein mobiles Solarmodul schaffen und ein kleines Batterieladegerät mitführen. Auf einen Spannungswandler verzichte ich vorerst genau so wie auf einen fest verbauten Solar-Laderegler. Ein Android-Radio ist leider auch unter den Opfern der Streichliste zu beklagen. Ich habe festgestellt, dass das serienmäßig verbaute Plug&Play Radio völlig ausreicht. Bis jetzt.

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